Lesegenuss im ehemaligen Haus des Freiburger Amtsrichters

Zum Team gehören Carla Prinz, Anke Hoffmann (von links) sowie Rosemarie Fischer (rechts), unterstützt von Bernd Bolik, Vorsitzender des Fördervereins Bücherei Freiburg/Elbe.

„Der Taucher“ heißt das Buch von Mathijs Deen. „Ich mag den Schreibstil und die Art und Weise, wie der Autor seine Geschichten erzählt“, sagt Bernd Bolik.

Anke Hoffmann empfiehlt das Buch „Zitronen“ der östereichischen Autorin Valerie Fritsch: „Ein tolles, gut lesbares Buch über das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, mit der schönsten Liebesszene, die ich je gelesen habe.“

„Das achte Leben“ von Nino Haratischwili ist eines der Lieblingsbücher von Clara Prinz: „Die Autorin hat mit 31 Jahren über ein 100-jähriges Leben in Georgien geschrieben, als es ganz ungewöhnlich war, über Frauen zu schreiben.“

Rosemarie Fischer empfiehlt das Buch „Eden“ von Audur Ava Ólafsdóttir. „Ich liebe den Schreibstil der isländischen Frauen.“

Fotos: Helfferich

Die Bücherei des Fleckens Freiburg verleiht im ehemaligen Amtsrichterhaus rund 4000 Medien, davon etwa 75 Prozent Bücher.
Wo einst der Amtsrichter wohnte, können Leseratten in andere Welten eintauchen. Einen Einblick geben die drei Bücherei-Frauen. Und sie haben Lust auf mehr.
Freiburg. Heute ist das Team gut eingespielt. Neben Rosemarie Fischer arbeiten Carla Prinz und Anke Hoffmann in der Bücherei im ehemaligen Amtsrichterhaus. 24 Stunden teilen sich die drei Frauen auf - auf acht Stunden pro Nase. 
Bevor Rosemarie Fischer die Büchereileitung übernahm, schmissen anderthalb Jahre die Ehrenamtlichen des Fördervereins den Laden, weil die damalige hauptamtliche Leiterin schwer erkrankt war. Mit dabei Bernd Bolik, Vorsitzender des Fördervereins Bücherei Freiburg. Auch heute noch unterstützt er die Bücherei und akquiriert Spendengelder. 
Seit zehn Jahren gibt es die digitale Bibliothek 
2016 wurde Rosemarie Fischer eingestellt und mit ihr das digitale Bibliothekssystem eingeführt. Damals halfen ihr noch Ehrenamtliche beim Katalogisieren der Bücher. Doch mit dem OPAC (Online Public Access Catalog), einem digitalen Bibliothekskatalog, konnten bibliografische Informationen über die Bücher und Materialien gesammelt werden. 
„Das war der erste Schritt der Digitalisierung“, so Fischer. 
Vier Jahre später entwickelte Fischer mit Unterstützung der Büchereizentrale Niedersachsen ein neues Konzept. Allerdings errechnete die Büchereizentrale mit 36,7 Stunden einen höheren Personalbedarf gemessen an den Einwohnerzahlen. Tatsächlich verfügte die Einrichtung bei elf Stunden Öffnungszeit nur über zwölf Personalstunden, was nicht einmal einer Drittel-Stelle entsprach. 
Hinzu kam, dass Fördervereinsmitglieder nicht mehr so viele Aufgaben übernehmen konnten. Dazu gehörten die Betreuung der Autorenlesungen, der Lesestart, das Bilderbuchkino, die Kontaktpflege zu Schule und Kindergärten. Schließlich stimmte 2020 der Gemeinderat für eine Aufstockung des Personals und verdoppelte die Stundenzahl auf 24 Stunden. 
Das Bücherei-Trio hat die Arbeit gut aufgeteilt
Es war eine gute Entscheidung. Das Trio der Bücherei hat sich die Arbeit aufgeteilt. Alle drei betreuen die Ausleihe, aber jede hat auch ihr Steckenpferd. Rosemarie Fischer ist, wie sie selbst sagt, „handwerklich und digital unterwegs“. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, betreut die Website und begleitet Schulprojekte und auch die Kinderuni im Kornspeicher. „Und ich entwickle gern Konzepte“, sagt sie. 
Carla Prinz, die eine Buchhändlerausbildung hat, pflegt den Buchbestand. Sie macht Vorschläge bei Neuanschaffungen. Ziel ist, bei der Buchauswahl stets aktuell zu sein. Außerdem leiten sie und Anke Hoffmann einen Lesekreis, in dem 10 bis 15 Teilnehmer sich gegenseitig Bücher vorstellen. 
Anke Hoffmann pflegt die Bücher, bindet sie ein und hat auch die Buchhaltung unter ihren Fittichen. Sie ist für die Onleihe der E-Books zuständig, sie versieht die Bücher mit Lesenummern und schreibt Leseerklärungen. 
Ein Förderverein sponsert die Bücherei
Seit der Umstrukturierung hat sich die Bücherei auch räumlich verändert. Den Kinderbüchern wurde mehr Platz eingeräumt; ebenso der Jugendliteratur. Sitzecken laden zum Schmökern ein. 
Der Bereich für Erwachsene wurde so strukturiert, dass die Leser und Leserinnen schnell ihre Themen finden. Und Neuerscheinungen werden so angeboten, dass das Titelbild gleich erkannt wird. Unterstützt wurde die Bücherei mit Fördergeldern der Büchereizentrale Niedersachsen. 
Aber auch der Förderverein sponsert die Freiburger Bücherei mit Einnahmen des jährlichen Bücherflohmarktes. 5500 Euro seien im vergangenen Jahr inklusive der Einnahmen der Cafeteria zusammengekommen, erzählt Bolik. Davon sei der gesamte Buchbestand - insbesondere für Schüler - besorgt und Lesungen organisiert und bezahlt worden, erzählt Fischer. 
Die drei Frauen sind stolz auf ihre Bücherei: „Das ist ein toller Ort, sagt Carla Prinz. Gerne hätten sie mehr Raum für ein noch besseres Angebot. Da hoffen sie auf Möglichkeiten des Dorfentwicklungsprogramms - falls Freiburg aufgenommen wird.
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Von Susanne Helfferich 28.06.2026, 18:38 Uhr | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.